Übersicht über die Albumrezensionen: Icona Pop, Jungle und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Peter Parcek – Most of the Time
Guter Blues ist Blues, der glaubwürdig ist. Das gilt sicherlich für Gitarristen. Es gibt nur wenige Gitarristen, die wirklich glaubwürdigen Blues aus ihrem Instrument herausholen können. Peter Parcek gehört definitiv zu den Gitarristen, die ihre Gitarre stöhnen, ächzen, flüstern, aber wenn es sein muss, auch schreien lassen können. So beginnt Parceks neues Album mit einem rauen Blues in “Twistified”, doch zwei Tracks später sitzen wir andächtig da und hören dem Slide in dem sehr gelungenen Dylan-Cover “Most of the Time” zu. Doch am besten ist Parcek beim Up-Tempo-Material, das größtenteils aus eigener Feder stammt. Vor allem dann, wenn seine Gitarre von Hammond und einer Bläsersektion unterstützt wird, wie in “Just Play Rhythm, Baby”. Dann brodelt und wogt es. Es nährt das unstillbare Verlangen nach mehr. Das bekommt man in einer erneut hervorragenden Bearbeitung von John Hiatt’s “Mississippi Phone Booth”. Oder im schleppenden Swamp von “Poor Boy”, dem unwiderstehlichen Groove in “Cold in Hand” und dem schweren, schlammigen Heulen in Bill Withers’ “Grandma’s Hands”. Dann hört man, warum Parcek seinen eigenen Stil als ‘soul guitar’ bezeichnet. Wobei das Rhodes-Solo von Tom West in diesem letzten Song nicht unerwähnt bleiben darf. (Jeroen Mulder) (8/10) (Lightnin’ Records)
Sojourner – Gateways
“Gateways” ist das vierte Studioalbum der atmosphärischen Black-Metal-Band Sojourner. Sojourner besteht aus einer internationalen Gruppe mit Mitgliedern, die über Schweden, Neuseeland und Italien verteilt sind. Seit der Veröffentlichung des letzten Albums “Premonitions” hat sich in der Besetzung einiges verändert. So ist der ursprüngliche Bassist Mike Wilson zu seiner alten Band zurückgekehrt, und die talentierte aus Südafrika stammende Sängerin Heike Langhans, bekannt unter anderem von Draconian und Remina, gibt ihr offizielles Albumdebüt. Die Texte atmen eine Atmosphäre tiefer melancholischer Natur, des Tragens von Erinnerungen, der Trauer und emotionaler Schwellen. Die entstandene Musik ergänzt die Texte perfekt. Aggressive Blastbeats wechseln sich mit ruhigen, verträumten Soundscapes ab. Die intensiven Growls von Emilio Crespo kontrastieren ständig mit der engelsgleichen Stimme von Heike Langhans. Die Klaviermelodien, Synthesizer und Violinen tragen ebenfalls zur melancholischen Atmosphäre bei. Ein hervorragendes Album, an dem jeder Liebhaber von atmosphärischem Black Metal und Gothic Metal Freude haben wird. Auch Liebhabern von Draconian, der ehemaligen Band von Heike Langhans, empfehle ich, diesem Album eine Hörprobe zu geben. (Ad Keepers) (8/10) (Avantgarde Music)
The Court at Versailles – Acoustic Electronica
Reich werden sie mit diesem Projekt nicht: The Court at Versailles (kurz CAV) zieht auf Spotify weniger als fünfzig Hörer pro Monat an. Und das, obwohl eine der beiden treibenden Kräfte hinter CAV Eric Palmquist ist. Der Produzent aus Los Angeles zählt Billie Eilish, Tate McRae und Bad Suns zu seinen Kunden. Gemeinsam mit dem Pianisten Joel Pierson nahm er für dieses Album Dance-Tracks in Angriff. Auf “Acoustic Electronica” finden sich daher unter anderem Tracks großer Dance-Acts wie Underworld, Squarepusher und Skrillex. Palmquist und Pierson reduzierten die Tracks auf ihren Kern und übertrugen die Synths, Samples und Beats in ein Arrangement für ein Jazztrio: Neben Pierson am Piano hören wir Sam Minaie am Kontrabass und Schlagzeuger John Hadfield. Und dann zeigt sich, dass Dance und Jazz überraschend eng beieinanderliegen. Die Struktur der Originaltracks bleibt auch in der minimalen Besetzung erhalten. Underworlds “Rez/Cowgirl” ist ein gutes Beispiel: Der Song bleibt zu hundert Prozent wiedererkennbar und ist genauso treibend wie das Original. Oder “Light Through the Veins” von John Hopkins (wobei die meisten Menschen dies als Intro von Coldplays “Life in Technicolor” erkennen werden), das auf dem Piano eine ganz andere Wirkung bekommt, fast geheimnisvoller. Und bemerkenswert: Trotz einer Länge von mehr als neun Minuten langweilt dieser Track dank der erlesenen Produktionsarbeit von Palmquist keine Sekunde. (Jeroen Mulder) (8/10) (Handcrafted Records)
Icona Pop – Ritual
Icona Pop kehrt mit “Ritual”, dem vierten Album des schwedischen Duos Aino Jawo und Caroline Hjelt, zurück. Wo der Act einst mit der unbekümmerten Energie von “I Love It” durchbrach, entscheidet sich das Paar diesmal für einen introspektiveren Ansatz. Das Album dreht sich um Veränderung, Verlust und die Tanzfläche als Ort der Heilung, ein Thema, das der Opener “Hurt” sofort mit der Zeile aufgreift, dass trotz des Schmerzes immer noch ein Herz schlägt. Der Titeltrack “Ritual”, mit einem Gastbeitrag von Daya, bildet den emotionalen Mittelpunkt und wiederholt die Idee, dass Rituale zum Überleben notwendig sind. Songs wie “Dance To This” und “Butterfly Feelings” greifen die Direktheit ihrer frühen Arbeit wieder auf, mit scharfen Texten und pulsierenden Beats. Dennoch fehlt dem Album an mehreren Stellen ein eigener Klang. Tracks wie “Cooler” und “Mad Love” lehnen sich stark an Produktionstechniken an, die innerhalb der Dance-Pop-Szene seit einigen Jahren zum Allgemeingut gehören, wodurch Icona Pop für ein Duo mit einer derart unverwechselbaren Geschichte manchmal überraschend gewöhnlich klingt. “Yellow Top” bringt zumindest wieder etwas Leichtigkeit mit einem Augenzwinkern in Richtung sommerlicher Flirts. Das Ergebnis ist ein sauber produziertes, aber wechselhaftes Album. (William Brown) (7/10) (Ultra Records)
Jungle – Sunshine
Jungle präsentiert mit “Sunshine” eine warme und sonnige Platte, das fünfte Album des britischen Trios J Lloyd, Tom McFarland und Lydia Kitto. Nach dem Erfolg von “Volcano” und dem Durchbruch von “Back On 74” entscheidet sich die Band bewusst gegen weitere Experimente und stattdessen für eine Vertiefung der Wärme, des Grooves und der Zugänglichkeit, die ihren Sound seit Jahren prägen. Singles wie “Carry On” und “The Wave” zeigen Einflüsse brasilianischer Musik der sechziger und siebziger Jahre, während “Someday, Somewhere” an dem Gefühl festhält, dass immer etwas Besseres wartet. Der Opener “Come Back To Me” gibt mit einem Retro-Intro sofort den Ton an, woraufhin sich der vertraute Jungle-Groove in schimmerndem Gesang und üppiger Instrumentierung entfaltet. “Move Like You Do” ruht auf einer elastischen Basslinie, die erneut die tänzerischen Qualitäten der Band unterstreicht. Das Album kann kaum als überraschend bezeichnet werden, doch gerade diese Vertrautheit bildet seine Stärke. Innerhalb von etwas mehr als einer halben Stunde gelingt es Jungle, eine sommerliche, entspannte Atmosphäre zu schaffen, ohne nachlässig zu klingen. Über elf Tracks hinweg bleibt die Produktion straff und die Energie konstant präsent. (Elodie Renard) (8/10) (Caiola Records)






