Übersicht über die Albumrezensionen: MOMO., Ken Carson und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

MISSIO – Love & Heartbreak

Mit “Love & Heartbreak” öffnet MISSIO erneut die Tür zu jenem düsteren Popsound, mit dem das texanische Duo einst mit “Loner” den Durchbruch schaffte, diesmal jedoch mit einer filmischeren Note. Matthew Brue und David Butler verbinden Alternative Rock, Elektronik und einen Hauch Hip Hop zu einem Album, das gleichermaßen kantig wie mitreißend klingt und erneut von ihrem langjährigen Weggefährten Dwight Baker produziert wurde. Das Thema ist einfach, aber universell: Vierzehn Songs über den Rausch und den Schmerz der Liebe, vom Opener “Dreams” bis zum orchestral arrangierten Abschlusstitel “The Moment”. Singles wie “Bleed” und “Dopamine Kisses” zeigen, worin die Stärke der Band liegt: im Spannungsfeld zwischen verletzlichen Texten und einer Produktion, die genauso intensiv trifft wie die Emotionen, von denen sie erzählt. MISSIO wagt sich in die Dunkelheit, ohne in Selbstmitleid zu verfallen, und genau das macht “Love & Heartbreak” zu einem Album, das direkt in die Magengrube trifft, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Fans der früheren Werke der Band bekommen genau das, was sie sich erhoffen, während Neueinsteiger hier einen hervorragenden Einstieg finden. Ein kraftvolles Album eines Duos, das genau weiß, was es sagen will und wie es klingen muss. (Anton Dupont) (8/10) (Nettwerk)

Early Times – Border Crossings

Der New Yorker Gitarrist und Komponist Early Times ist vor allem als Radiomoderator bei SiriusXM bekannt, baut daneben aber kontinuierlich seine Karriere als Jazzmusiker aus. Mit “Border Crossings” präsentiert er ein Instrumentalalbum, auf dem Hardbop, Soul Jazz und Latin Jazz zusammenfinden. Unterstützt wird er dabei von einer beeindruckenden Besetzung mit Steve Gadd, Zaccai Curtis, Luques Curtis und Craig Handy. An der Qualität der Musiker gibt es keinen Zweifel. Das Zusammenspiel ist eng abgestimmt, die Soli sind geschmackvoll und die Rhythmusgruppe hält die Musik ständig in Bewegung. Vor allem Gadd und die Curtis-Brüder hinterlassen einen unverwechselbaren Eindruck auf dem Album. Genau darin liegt jedoch auch eine kleine Einschränkung: Häufig sind es gerade die Begleitmusiker, die den stärksten Eindruck hinterlassen, sodass Times als Bandleader und Gitarrist nicht immer gleichermaßen im Vordergrund steht. Seine Kompositionen sind solide aufgebaut, überraschen jedoch nur selten oder loten die Grenzen des Genres wirklich aus. Die Produktion hingegen bewegt sich auf höchstem Niveau. Der offene, warme Klang und die natürliche Balance zwischen den Instrumenten erinnern an die klassischen Blue Note-Aufnahmen von Rudy Van Gelder, bei denen Musikalität wichtiger war als Studioeffekte. “Border Crossings” ist kein bahnbrechendes Jazzalbum, wohl aber ein sorgfältig produziertes und überzeugend eingespieltes Werk, das vor allem durch die Klasse des Ensembles und die entspannte musikalische Chemie überzeugt. (Bart van de Sande) (7/10) (Dealer’s Choice Records)

Low Cut Connie – Livin in the USA

“Livin in the USA” von Low Cut Connie ist ein raues, politisch aufgeladenes Rockalbum, das sich bewusst in der amerikanischen Tradition von Barroom Rock und Blues positioniert. Die Produktion ist direkt und ungeschliffen, wodurch die Energie der Band im Mittelpunkt steht. In Songs wie “Working Man’s Truth” und “Broken Flag Blues” wird Gesellschaftskritik in einfache, aber wirkungsvolle Songstrukturen verpackt. Adam Weiners Stimme klingt eindringlich und überschlägt sich stellenweise beinahe, was hervorragend zum rauen Charakter des Albums passt. Nicht jeder Song entfaltet dieselbe Wirkung, und einige Stücke stützen sich stark auf die Wiederholung derselben Blues-Progressionen. Dennoch sorgt die konsequente thematische Ausrichtung dafür, dass das Album als Protestplatte überzeugt. Es fühlt sich eher wie eine Performance als wie eine Studioaufnahme an, was zugleich seine größte Stärke und seine größte Einschränkung ist. (Daniel Harris) (7/10) (Contender Records)

Ken Carson – xperiment

Rapper Ken Carson veröffentlicht mit “xperiment” sein fünftes Studioalbum, ein Werk mit zweiundzwanzig Titeln, auf dem er seinen charakteristischen Rage Rap Sound weiter verfeinert. Gemeinsam mit Produzenten aus dem Opium-Umfeld erschafft er eine Klangwelt voller donnernder Bässe, verzerrter Synthesizer und abrupter Beatwechsel, geschaffen für Partys oder volle Konzerthallen. Inhaltlich bleibt Carson sich treu: Geld, Luxus, Frauen, Drogen und der Druck des Ruhms ziehen sich durch die Songs, ohne dass er sich in tiefgehender Selbstreflexion verliert, was offensichtlich auch nicht beabsichtigt ist. Titel wie “Ghost” und “Possession” stechen positiv hervor, während Songs wie “Shopping” weniger überzeugen und das Album gelegentlich etwas repetitiv wirken lassen. Gastbeiträge unter anderem von Playboi Carti und Lil Uzi Vert verleihen dem Album unterschiedlich viel Gewicht, wobei Uzi klar herausragt. Wer bereits Fan von Carsons Stil ist, erhält mit “xperiment” genau das, was erwartet wird, einschließlich der hohen Produktionsqualität, für die der Rapper bekannt ist. Neue Hörer dürften dagegen weniger schnell überzeugt sein, da dem Album die Überraschungsmomente fehlen, die es deutlich über frühere Veröffentlichungen wie “More Chaos” hinausheben würden. (William Brown) (6/10) (Opium/Interscope)

MOMO. – Tum Tum Tum

Mit seinem achten Album “Tum Tum Tum” bestätigt MOMO. erneut seine einzigartige Stellung innerhalb der zeitgenössischen brasilianischen Musik. Marcelo Frota schöpft reichlich aus Tropicália, Afrobeat, Jazz, Folkrock und Psychedelic, verbindet diese Einflüsse jedoch zu einem warmen, organischen Gesamtbild, das vor allem entspannt, sinnlich und sommerlich wirkt. Die Produktion klingt offen und natürlich, wobei subtile Percussion, warme Basslinien, geschmeidige Gitarrenparts und farbenfrohe Bläserarrangements das perfekte Fundament für seinen zurückhaltenden Gesang bilden. Den größten Mehrwert liefern die Gastmusiker. Vor allem die Mitwirkung der brasilianischen Bossa-Nova-Legende Marcos Valle verleiht dem Album zusätzliches Gewicht. Sein Beitrag verbindet mühelos Vergangenheit und Gegenwart jener brasilianischen Tradition, auf der MOMO. aufbaut. Nina Miranda sorgt mit ihren verträumten Vocals für eine wunderschöne sommerliche Atmosphäre. Der Opener “Egum Eô” setzt sofort den entspannten Ton und zeigt, wie stark die musikalische Chemie innerhalb der Band ist. Gerade diese entspannte Herangehensweise ist gleichzeitig auch der einzige kleine Kritikpunkt. Durch die durchgehend gleichbleibende Atmosphäre fehlt einigen Songs der besondere Moment, der sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzt. Dennoch überwiegt die Qualität: “Tum Tum Tum” ist ein stimmungsvolles, vielschichtiges und musikalisch überzeugendes Album, das mit jedem Hördurchgang wächst und zeigt, dass Erfahrung und echte Leidenschaft nach wie vor die wichtigsten Zutaten für zeitlose Musik sind. (Bart van de Sande) (7/10) (Agogo Records)

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