Übersicht über die Albumrezensionen: Dinosaur Jr., Adam Lambert und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
ella jane – Sparkwheel
Die amerikanische Singer-Songwriterin ella jane baute ihren Ruf mit Platten wie “Marginalia” aus dem Jahr 2022 auf, auf der sie offen über ihr Coming-of-Age als queere Frau in ihren Zwanzigern in New York schrieb. Mit “Sparkwheel” setzt sie diese Linie fort, wobei die Frage bleibt, ob sie tatsächlich einen neuen Schritt macht. Die Tochter eines Jazzpianisten, benannt nach Ella Fitzgerald, mischt sie auf dieser Platte Indiepop mit Folk und einem Hauch Soul, eine Kombination, die ihr immer gut gelegen hat. Auffällig ist, dass die Songs angenehm ins Ohr gehen, aber nur selten wirklich überraschen. Die Produktion ist sorgfältig und die Texte bleiben ihrem diaristischen Stil treu, aber es gibt wenig auf der Platte, das ihr früheres Werk übertrifft oder eine neue Richtung wagt. Das ist schade, denn gerade eine Künstlerin mit ihrer scharfen Feder sollte hier mehr Risiken eingehen dürfen. Wer Fan ihrer früheren Alben ist, findet hier genügend Vertrautes wieder, aber wer nach Entwicklung sucht, wird mit “Sparkwheel” etwas zu wenig bekommen. (William Brown) (6/10) (FADER Label)
The Shires – Bonfire
Sechs Alben und mehr als zehn Jahre nach ihrem Durchbruch kehren Ben Earle und Crissie Rhodes mit “Bonfire” zurück, ihrem ersten Album seit “Ten Year Plan” aus dem Jahr 2021. Während das britische Country-Duo zuvor vor allem auf Nashville-orientierte Balladen setzte, entscheidet sich das Paar dieses Mal für einen frischeren Sound mit lateinamerikanischen Einflüssen und Folkpop-Texturen. Der Titelsong “Bonfire Song” beginnt mit akustischen Gitarren mit spanischen Anklängen, bevor er sich zu einem salsaartigen Refrain voller überschwänglicher Harmonien entwickelt, ein überraschender, aber gelungener Schritt. Die Vorabsingle “Getaway Car” wurde die erste britische Single, die Platz eins der UK Country Radio Airplay Chart erreichte, und dieser Erfolg ist verdient. Auf “House of Cards” und “Slow Dance” klingt das Duo dagegen zurückhaltender, mit verletzlichen Texten über unsichere Liebe. Der Abschlusssong “A Good Life” beendet die Platte in der dankbaren, warmen Atmosphäre, die das Album prägt. Zwölf Songs lang klingt “Bonfire” wie eine Band, die sich nicht unbedingt neu erfindet, aber sich erfrischt und neu ausgerichtet präsentiert. Genau das ist der Grund, warum The Shires seit Jahren der größte Country-Act Großbritanniens bleiben. (Cian Murphy) (8/10) (Big Machine Records)
Baby Rose – Yearnalism
Frisch von ihrem ersten Grammy, für ihren Beitrag zu Leon Thomas’ Album “MUTT”, liefert Baby Rose mit “Yearnalism” ihr drittes Studioalbum ab. Die in Washington geborene und in North Carolina aufgewachsene Sängerin, bekannt für ihre tiefe, rauchige Stimme, die an Billie Holiday und Nina Simone erinnert, bezeichnet das Album selbst als eine Dokumentation von Sehnsucht in all ihren Formen. Während frühere Alben vor allem für sie selbst geschrieben waren, fühlt sich “Yearnalism” wie ein Angebot an die Welt um sie herum an. Auf “Is This Love”, mit Elmiene, beginnt der Song als klassisches Lied aus den siebziger Jahren, bevor er in zeitgenössischen Neo-Soul übergeht, und gerade dieser Übergang zeigt ihre stimmliche Bandbreite. “Friends Again”, mit Leon Thomas, und “Dressed In Metal” gehören zu den stärksten Momenten der Platte. Zwölf Songs lang entscheidet sich Rose für Verletzlichkeit statt Gleichgültigkeit, in einer Zeit, in der Letzteres eher die Norm zu sein scheint. Das Ergebnis ist ein warmes, von Leben erfülltes Soulalbum, das beweist, dass Aufrichtigkeit noch immer die stärkste Karte ist, die eine Sängerin ausspielen kann. (Elodie Renard) (8/10) (Secretly Canadian)
Adam Lambert – Adam
Sechs Jahre nach seinem Broadway-Debüt und seiner Rolle als Judas an der Seite von Cynthia Erivo kehrt Adam Lambert mit seinem sechsten Studioalbum zurück, das schlicht “Adam” heißt. Und man muss sagen, diese Platte legt sofort kraftvoll los. Inspiriert von den Neunzigern, mit Einflüssen von Nine Inch Nails bis Prince und Daft Punk, verbindet Lambert Industrial-Beats mit seiner charakteristischen, enorm hohen Stimme. Die Vorabsingle “Eat U Alive” gibt mit einem düsteren, sinnlichen Sound die Richtung vor und zeigt sofort, dass dieser Sänger nicht vorhat, vorsichtig zu sein. Lambert beschreibt das Album selbst als ehrliches Selbstporträt, in dem Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, einfach nebeneinander existieren dürfen. Diese Idee funktioniert am besten bei den Songs, in denen Elektronik und Rockeinflüsse genau ausbalanciert sind. Zwölf Songs lang beweist Lambert, dass er auch nach so vielen Jahren im Rampenlicht weiterhin Risiken eingehen möchte, statt auf Nummer sicher zu spielen. Für Fans seiner älteren, rockigeren Arbeit ist dies eine willkommene Rückkehr. (Daniel Harris) (7/10) (More Is More/The Orchard)
Dinosaur Jr. – There Near
Als der Alternative Rock Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre explodierte, stand Dinosaur Jr. an der vordersten Front. Mit “There Near” beweist das Trio, dass kompromissloser Gitarrenrock noch immer lebendig klingen kann. J. Mascis, Lou Barlow und Murph liefern ein Album ab, das donnert, kratzt und nirgendwo seinen rauen Charakter verliert. Die bissig schneidenden Gitarren, die ungeschliffenen Melodien und die eingängigen Riffs packen sofort und erinnern an eine Zeit, in der Emotion wichtiger war als Perfektion. Die neuen Songs atmen dieselbe ungezähmte Energie wie die Glanzzeiten des amerikanischen Undergrounds. Mascis’ charakteristisches Gitarrenspiel klingt rauer als seit Jahren, während die Rhythmussektion unbeeindruckt weiter vorantreibt. Das Ergebnis ist eine Platte, die nicht auf Nostalgie setzt, sondern zeigt, warum Dinosaur Jr. weiterhin relevant ist. Genau dieser kompromisslose Charakter fehlt vielen heutigen Rockbands. Während Produktion und glatte Ausarbeitung oft im Vordergrund stehen, entscheidet sich Mascis als inzwischen alter Dinosaurier unbeirrt für pure Intensität. Seine Musik beweist, dass Ehrlichkeit, Lautstärke und Melodie noch immer Hand in Hand gehen können. “There Near” weckt eine angenehme Sehnsucht nach den Tagen, in denen Gitarren schrammen durften, Verstärker aufheulen durften und Songs vor allem aus dem Gefühl heraus geschrieben wurden. Es ist ein Album, das vergangene Zeiten nicht kopiert, sondern sie mit Überzeugung wieder zum Leben erweckt. (Bart van de Sande) (8/10) (Jagjaguwar)






