Übersicht über die Albumrezensionen: Rylo Rodriguez, The Vampires und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
The Vampires – Skydancer
Jazz, Folk, Weltmusik und Ambient. Das australische Quartett The Vampires lässt sich nicht einfach in ein einziges Genre einordnen. Trompeter Jeremy Rose, Saxofonist Nick Garbett, Bassist Noel Mason und Schlagzeuger Alex Masso schaffen seit ihrem Debüt einen gelungenen Crossover, bei dem der Schwerpunkt immer auf der Atmosphäre liegt, die die Musik hervorrufen soll. Das gilt auch wieder für “Skydancer”, bereits das achte Album. Diese Atmosphäre wird vor allem durch den warmen Klang der Bläser bestimmt, unterstützt von zurückhaltenden Rhythmussektionen. Keine komplexen, unerwarteten Wendungen in Taktarten und Rhythmen, sondern Einfachheit und damit Ruhe. Ein perfektes Bett für die Gespräche, die Rose und Garbett miteinander führen, ohne sich dabei gegenseitig übertönen oder sich an Virtuosität übertreffen zu wollen. Es ist die Kraft der Einfachheit, in den Kompositionen, den Arrangements und der Produktion. Gerade weil die Kompositionen auf “Skydancer” zurückhaltend sind, möchte man jede Nuance hören. Auch darin ist diese Platte gelungen, vor allem dank des hervorragenden Mixes und Masterings. Jedes Detail im subtilen Zusammenspiel zwischen den vier Musikern ist zu hören. The Vampires zeigen, dass zurückhaltende Musik mindestens genauso spannend sein kann wie überschwängliche Virtuosität. Für Liebhaber melodischer moderner Jazzmusik. (Jeroen Mulder) (7/10) (Earshift Music)
Mary In The Junkyard – Role Model Hermit
Das Londoner Trio Mary In The Junkyard hat keine Lust auf glatten, vorhersehbaren Indierock, und das hört man sofort auf ihrem Debütalbum “Role Model Hermit”. Sängerin Clari Freeman-Taylor, Bassistin Saya Barbaglia und Schlagzeuger David Addison bauten ihren Ruf in den Kneipen von Brixton auf, und diese raue, ungeschliffene Energie steckt ihnen noch immer im Blut. Das Konzept des Albums, inspiriert von Freeman-Taylors Fantasie über ein früheres Leben als Fischer, klingt auf dem Papier vielleicht etwas entrückt, führt in der Praxis aber zu einer Reihe von Songs, die reiben, sich verschieben und überraschen. Auf “New Muscles” verzichtet die Band sogar vollständig auf Gitarren zugunsten eines harten, funkigen Drumgrooves, während “Mouse” sich gerade mit fast filmischen Streichern entfaltet. Vergleiche mit Wet Leg und Big Thief liegen nahe, aber Mary In The Junkyard klingt letztlich vor allem eigenwillig, mit geflüsterten Vocals, die ebenso leicht zerbrechen wie explodieren. Keine Platte für den faulen Zuhörer, aber eine, die diejenigen belohnt, die sich die Mühe machen, in sie einzutauchen. (Anton Dupont) (8/10) (All My Friends Records)
Rylo Rodriguez – S.K.A.T.E.
Drei Jahre nach “Been One” ist der Rapper aus Alabama mit “S.K.A.T.E.” zurück, ein Titel, der für Silence Keeps All Targets Exposed steht. Mit dreiundzwanzig Songs ist es keine bescheidene Rückkehr, und Rylo Rodriguez, der bei Lil Babys Label Glass Window Entertainment unter Vertrag steht, klingt dabei persönlicher als zuvor. Der Opener “Stir” gibt mit einer bluesigen Gitarrenlinie und einer konfrontierenden Geschichte über eine Auseinandersetzung mit den Behörden sofort den Ton an. Auf “Promises”, mit Lil Baby, und “Neighborhood Starz”, mit Kevin Gates, zeigt er sein Talent, Verletzlichkeit mit Straßengeschichten zu verbinden, getragen von einem melodischen, etwas rauen Flow, der inzwischen sein Markenzeichen ist. Die Produktion, mit Beiträgen unter anderem von Zaytoven, wechselt zwischen soulvollen Samples und kargen, melancholischen Beats, und das sorgt für genügend Abwechslung. Mit dreiundzwanzig Songs ist die Platte zwar etwas lang geraten, wodurch nicht jeder Song gleich lange im Gedächtnis bleibt, aber die stärksten Momente beweisen, dass Rylo weiterhin einer der melodischsten Geschichtenerzähler im zeitgenössischen Hip-Hop ist. (William Brown) (6/10) (Glass Window Entertainment/Motown Records)
Frost Children – Tweaker Poem
Das amerikanische Geschwisterduo Frost Children, bekannt für seinen unberechenbaren Mix aus Hyperpop und Emo, veröffentlicht mit “Tweaker Poem” eine auffallend intime EP. Das sechsteilige Projekt entstand, nachdem Angel und Lulu Prost New York nach einer beängstigenden Stalking-Erfahrung verlassen hatten, und während eines vierundzwanzigstündigen Schlafentzugs in Tokio schrieben sie das gesamte Werk in einer einzigen ununterbrochenen Sitzung. Die Songs stehen in der Reihenfolge, in der sie entstanden sind, vom Morgen bis zum nächsten Morgen, und dieser Aufbau ist in der Atmosphäre der Platte spürbar. Der Opener “Satellites” führt diese Kombination aus euphorischer Produktion und unruhiger Emotion ein, die das Duo kennzeichnet, während Songs wie “Creep” und “Gutted” die dunklere Seite von Besessenheit und Einsamkeit erkunden. Das Konzept, eine Ode an den besessenen, weltfremden Liebhaber, der lieber in einer Fantasie als in der Realität lebt, klingt originell und wird mit aufrichtiger Empathie umgesetzt. Für ein Projekt, das buchstäblich in einer einzigen Nacht entstand, ist “Tweaker Poem” überraschend stimmig und persönlich geworden. (Daniel Harris) (7/10) (RCA Records)
Michael Varekamp – Portraits of Miles
Miles Davis wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden. Und da nahezu jeder Jazzmusiker diesem Ikonen verpflichtet ist, erschienen rund um seinen Geburtstag am 26. Mai diverse Platten als Hommage. “Portraits of Miles” von Michael Varekamp erschien ebenfalls im Mai, verdient aber sicherlich weiterhin unsere Aufmerksamkeit, weil es eines der besseren Alben ist, die das Erbe von Davis feiern. Die Falle ist groß: Entweder verfällt man in Imitation oder man nimmt so viel Abstand, dass die Verbindung zu Davis verschwindet. Das Finden der Balance ist ein sensibles Spiel, aber Varekamp ist darin hervorragend gelungen. Auf die eine oder andere Weise gelingt es ihm, eine Art Dialog mit seinem großen Vorbild zu führen. Die Porträts von Davis verkörpern die verschiedenen Perioden aus der reichen Karriere des Trompeters. Wir reisen also vom frühen Cool Jazz in “The Alchemist” zur moderneren Arbeit in “The Prince”, die stärker in Richtung Fusion und sogar Jazzrock geht. Und wie es einer Hommage an Davis entspricht, verliert sich Varekamp nicht in Virtuosität, sondern in der Suche nach dem richtigen Ton, mit der Farbe, die zu Davis passt und seinem musikalischen Erbe gerecht wird. Zum Album gehört übrigens eine Tournee. Bis einschließlich Dezember steht Varekamp gemeinsam mit unter anderem dem Keyboarder Wiboud Burkens auf verschiedenen Bühnen in unserem Land. (Jeroen Mulder) (8/10) (Michael Varekamp Eclectic Band)






