Madball – Not Your Kingdom
Es gibt nur wenige Bands, die seit fast vierzig Jahren auf der Straße glaubwürdig geblieben sind, und Madball ist eine davon. Ende der achtziger Jahre in New York als Nebenprojekt rund um Agnostic Front gegründet, entwickelte sich die Band unter der Leitung von Frontmann Freddy Cricien zu einer der prägenden Stimmen der New Yorker Hardcore-Szene. Nach acht Jahren Stille und mit dem Weggang des langjährigen Bassisten Jorge Hoya Roc Guerra als zusätzlicher Komplikation liegt nun “Not Your Kingdom”, das zehnte Studioalbum der Band, vor. Das ist keine Kleinigkeit, denn wer Madball ein neues Album machen lässt, legt die Messlatte hoch, und bei dieser Band liegt sie noch immer bei roher, kalter Intensität.
Und genau das ist der erste Eindruck, den der Opener “Tethered” vermittelt. Cricien schreit seine Präsenz in die Welt hinaus, als wäre keine Zeit vergangen, und die Riffs rollen mit böswilliger Absicht nach vorne. Es hat etwas Erbarmungsloses, wie dieser Song das Album eröffnet, kein Warm-up, sondern sofort der Genickschlag. “Flammable” beweist, dass die Band ebenso mühelos einen Thrash-Song wie einen klassischen Beatdown liefern kann, wenn es darauf ankommt, und zeigt, dass vierzehn Songs in dreißig Minuten kein leeres Versprechen, sondern ein Statement sind. Wenig Verschwendung, viel Biss.
Dennoch handelt es sich nicht einfach um eine Wiederholung. “Rebel Kids”, die erste Single und der Song, mit dem das gesamte Album einst begann, ist hymnischer und zugänglicher, als man es von dieser Band gewohnt ist, mit Gang-Vocals, die etwas leichter klingen als die rauen Neunzigerjahre, von denen ältere Fans zehren. Das macht den Song weniger konfrontativ, aber sofort als Madball erkennbar. “Life’s a Mural” und der thematisch verwandte Titel “What You Say” fügen textlich etwas über Macht, Kontrolle und die unausgewogenen Verhältnisse der heutigen Welt hinzu, ohne belehrend zu wirken. Der Abschlusssong “Chase a Dream” rundet das Ganze so ab, wie es sich gehört, mit derselben unnahbaren Dringlichkeit, mit der es begonnen hat.
Auffällig ist, dass sich Madball hier zwischen zwei Fangenerationen zu bewegen scheint. Die alten Hasen bekommen die Nostalgie vertrauter Riffs und dieses typische Cricien-Knurren, während Neueinsteiger einen Einstieg erhalten, der etwas weniger rau ist als die Klassiker. Dieser Kompromiss funktioniert nicht in jedem Moment gleich gut, und manchmal vermisst man die schmutzigen Kanten von früher, doch die Energie und Überzeugung, mit der dieses Album entstanden ist, sind unverkennbar.
“Not Your Kingdom” ist kein Album, das so tut, als wäre die Zeit stehen geblieben, und genau deshalb funktioniert es. Madball klingt hier wie eine Band, die weiß, wer sie ist, was sie sagen will, und die sich dafür nicht entschuldigt. Für Fans von ehrlichem, ungeschliffenem Hardcore mit einem Hauch von Reflexion ist dies mehr als eine würdige Rückkehr. (8/10) (Nuclear Blast)

