Übersicht über die Albumrezensionen: Duane Betts, Ayreon und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Eric Demuro – Simulacra
Wenige Orte sprechen die Fantasie so direkt an wie Venedig. Spricht man den Namen der Stadt aus, entstehen sofort Bilder von Gondeln, die durch die Kanäle gleiten, angetrieben von menschlicher Kraft und Operettenklängen. Ein idyllisches Bild, das heute durch Massentourismus, der mit riesigen Kreuzfahrtschiffen ankommt, stark gestört wird. Dennoch halten wir am traditionellen Bild der Stadt fest. Der Bassist Eric Demuro stammt aus Venedig und liefert mit seinem Debütalbum “Simulacra” ein Werk, das sich sehr gut mit seiner Heimatstadt vergleichen lässt. Man hört Raffinesse, bei der alles auf Atmosphäre ausgerichtet ist. Der Schwerpunkt der sechs Kompositionen liegt eher auf Klangfarbe und Reinheit des Tons als auf Melodie oder Virtuosität. Doch die Elektronik, die Demuro häufig über seine repetitiven Bass Loops legt, wirkt manchmal wie ein schwimmender Wohnblock, der droht, die Kaimauer zu rammen: sie legt in der Musik gelegentlich völlig dissonant an. Gleichzeitig sorgt das dafür, dass das Album nicht zu langatmig wird. Nein, wir sind noch nicht überzeugt. (Jeroen Mulder) (6/10) (Bastard Jazz Recordings)
Jayler – Voices Unheard
“Voices Unheard” ist das Debütalbum dieser vielversprechenden britischen Rockband. Das Album enthält elf Songs voller Energie. Sänger James Bartholomew stiehlt mit seiner hohen, kraftvollen und souligen Stimme die Show. Bald geht Jayler als Vorband von Deep Purple auf Tour, was ihre Bekanntheit und ihren Ruf weiter steigern wird. “Voices Unheard” ist ein starkes Grundgerüst einer Band, von der wir in Zukunft wahrscheinlich noch viel hören werden. Der einzige Kritikpunkt ist, dass Jayler stark auf Swagger und bekannte Tricks setzt und zu wenig Innovation in das Genre bringt. Ein Punkt, den man für das zweite Album mitnehmen sollte. (Ad Keepers) (7/10) (Silver Lining Music)
Camille – Negen levens
Mit “Negen levens” liefert Camille Dhont (Wevelgem, Belgien, 2001) ihr sechstes Studioalbum ab und das erste seit “Circus”, das sofort Platz eins in der Ultratop erreichte. Der Opener “Pingpong” setzt den Ton: ein fröhlicher Popsong mit einem eingängigen Refrain, der sich festsetzt, eher für Teenager als für erwachsene Hörer, aber fachmännisch produziert. Hinter den Reglern steht Léon Palmen, der Mann hinter Donnies “Bon Gepakt” und Hits von S10 und Froukje, und das hört man an der Produktion. Das ist eingängiger Sommerpop, deutlich weniger anstrengend als K3 für noch jüngere Mädchen. “Popcorn” erinnert an die positive Stimmung von Ose “Même Jeu”, das kürzlich auf Maxazine Premiere hatte. Kurz gesagt ein Album, das immer passt, solange es keine Beerdigung ist. (Jan Vranken) (8/10) (CNR Records)
Duane Betts – Isle of Hope
Duane Betts, Sohn der Allman Brothers Gitarrenlegende Dickey Betts, veröffentlicht mit “Isle of Hope” sein bislang vielschichtigstes Soloalbum. Während sein Debüt “Wild Precious Life” aus dem Jahr 2023 das Erbe seines Vaters ehrte, klingt dieses Album wie das Werk eines Künstlers, der seine eigene Stimme gefunden hat. Die Wurzeln im Southern Rock und Americana sind unverkennbar, doch Betts fügt Country Einflüsse und mehrstimmige Harmonien hinzu, die dem Ganzen eine reichere Textur verleihen. Der Titelsong “Isle of Hope” ist eine offene Hommage an seine Wurzeln in Georgia, während Songs wie “Long Way Home” und “Blood Runs True” die emotionale Tiefe zeigen, die dieses Album auszeichnet. Die Gitarrenarbeit ist, wie von einem Betts zu erwarten, hervorragend, und die Produktion ist warm ohne überpoliert zu wirken. Für Liebhaber von Southern Rock in seiner authentischsten Form ist dies ein Album für lange Zeit. (Daniel Harris) (8/10) (Royal Potato Family)
Ayreon – 30th Anniversary An Amazing Flight Through Time
Fans von Ayreon können wieder tief in die Tasche greifen. “Ayreon 30th Anniversary An Amazing Flight Through Time” ist eine umfangreiche Live Aufnahme zum 30 jährigen Jubiläum des Progressive Rock Metal Projekts von Arjen Lucassen. Das Album und die dazugehörigen Konzertfilme erschienen am 5. Juni. Ursprünglich war die Veröffentlichung für den 22. Mai geplant, wurde jedoch auf den 5. Juni verschoben, da Lucassen mehr Zeit benötigte, um alle physischen Vorbestellungen persönlich zu signieren. Wie immer ist alles bis ins kleinste Detail produziert und Fans aus aller Welt bekommen vollen Gegenwert für Zeit und Geld. Die Live Aufnahmen stammen aus einer Reihe von fünf ausverkauften Shows im 013 in Tilburg, bei denen 15.000 Fans aus 71 Ländern anwesend waren. Im Gegensatz zu früheren Liveshows, die sich auf ein einzelnes Album konzentrierten, ist “An Amazing Flight Through Time” eine Retrospektive in zwei Akten. Akt 1 konzentriert sich bewusst auf seltene Stücke, die noch nie live bei einer Ayreon Show gespielt wurden. Darunter auch Songs aus den Nebenprojekten Star One und Guilt Machine. Lucassen geht sogar noch weiter zurück mit “Days Of The Knights” von seinem ersten Soloalbum. Akt 2 besteht aus den bekannten und härteren Ayreon Klassikern. Eine Bewertung dieses beeindruckenden musikalischen Dokuments ist kaum möglich. Jeder, der progressiven Metal oder Rock auf Champions League Niveau liebt, sollte diese Veröffentlichung besitzen. (Ad Keepers) (9/10) (Music Theories Records)






