Übersicht über die Albumrezensionen: Benny Blanco, Denzel Curry und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Gudinöv – Spin! Buy! Recycle!

Die belgische Powerrockgruppe Gudinöv veröffentlicht anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums das Mini-Album “Spin! Buy! Recycle!”. Die Platte enthält fünf Songs und schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die ersten beiden Songs “Number One” und “Recycle” sind brandneu und werden durch überarbeitete und neu aufgenommene Songs aus der YEARN’d-Zeit ergänzt. Also sehr alte Songs, bevor die Band 2013 einen Neustart machte und den Bandnamen in Gudinöv änderte. Es handelt sich um die Songs “Go”, “Wish Me Well” und “The Way You Move”. Die EP erscheint bei 3300 RPM Records, dem Label von vzw Sweet Sounds. Alles in allem ein gelungenes Album, um das 25-jährige Jubiläum zu feiern. Solider Powerrock mit jenem typischen Sound, auf den unsere südlichen Nachbarn offenbar ein Patent haben. (Ad Keepers) (7/10) (3300 RPM Records)

Take My Breath Away – Denise Donatelli

Stevie Wonder, James Taylor, George Duke, Donald Brown, Larry Goldings, Nathan East. Das ist eine Auswahl der Künstler, denen man begegnet, wenn man “Take My Breath Away” der amerikanischen Jazzsängerin Denise Donatelli hört. Das Rezept ist einfach: Man nehme bestehende Kompositionen und übergieße sie mit einer Jazzsauce. Dafür arbeitete sie mit dem Pianisten Geoffrey Keezer zusammen, der für Arrangements, Produktion und musikalische Leitung verantwortlich war. Keezer wiederum wandte sich an Musiker, die keineswegs unbekannt sind, darunter die Saxofonisten Ron Blake, Donny McCaslin und Sarah Hanahan, der Gitarrist Yotam Silberstein und die Vibrafonistin Chien Chien Lu. Und das Ergebnis? Ein Album, an dem man sich unmöglich stören kann. Es ist einfach alles sehr gut zusammengefügt. Höhepunkte sind “As If You Read My Mind” von Stevie Wonder (das Original auf “Hotter Than July” hatte bereits einen Salsarhythmus, in Kezzers Arrangement wurde das Tempo deutlich heruntergeschraubt, etwas, das die Komposition sehr gut vertragen kann) und James Taylors “You and I Again”, das dank eines geschmackvollen Streicherarrangements zu einem völlig anderen Song als das Original wird. Donatellis geschulte Stimme erledigt den Rest. Sie singt Uptempo-Stücke ebenso mühelos wie Balladen, denen sie dank hervorragender Beherrschung und Phrasierung eine neue Seele verleiht. Donatelli ‘lebt’ die Texte. “How Deep is the Ocean” von Irving Berlin ist vielleicht das beste Beispiel:: Die Intimität strömt nur so aus den Lautsprechern. Dann lassen wir uns gerne eintauchen, auch wenn die Bearbeitungen hier und da durchaus vorhersehbar sind. Wenn es mit Sorgfalt gemacht ist, hört man von uns keine Klage. (Jeroen Mulder) (7/10) (Savant Records)

Julia Holter – Materia

Mit einer inzwischen zwanzigjährigen Karriere und elf Alben ist Julia Holter längst keine Newcomerin mehr in der breiten musikalischen Landschaft, in die sie sich mit ihrem neuen Album “Materia” begibt. Das Besondere an Holter ist, dass sie weiterhin überrascht und den Hörer regelmäßig auf die falsche Fährte führt. Als Songwriterin, Produzentin, Komponistin, Künstlerin und Akademikerin verfügt sie über ein vielseitiges Talentarsenal, das auf “Materia” überzeugend zusammenkommt. Der Opener “The Laugh Is in the Eyes” setzt sofort die Atmosphäre für das etwas mehr als eine halbe Stunde dauernde Album. Eine subtile Basslinie zieht sich durch die Komposition, während sich Holters Stimme beinahe unfassbar hindurchbewegt, als würde sie durch einen chinesischen Garten wandern. “My Lost One” klingt angenehm widerspenstig und weckt Assoziationen an Laurie Anderson, wobei das Saxofon subtile Jazzelemente hinzufügt. In “Materia 2” bildet ein nasaler Bassklang im mittleren Frequenzbereich den Kern. Er erinnert an Jaco Pastorius’ charakteristisches Bassspiel auf Joni Mitchells “Hejira”. Auch in “Clepsydra” setzt Holter ihre Stimme deutlich als Instrument ein, was an Laurie Andersons innovatives “O Superman” erinnert. Der Song veranschaulicht treffend, wie fremdartig und außerirdisch sich Zeit anfühlen kann. “Materia” hat einen stark neoklassischen Charakter, in dem schmale Klänge, Entfremdung und Avantgarde zusammenkommen. Dennoch bleibt Holters Experiment zugänglich. Ein faszinierendes Album, das sich langsam entfaltet. (Bart van de Sande) (8/10) (Domino)

Benny Blanco – Hermoso

Mit “Hermoso” veröffentlicht Benny Blanco sein erstes vollständig spanischsprachiges Album, ein Projekt, in dem der amerikanische Produzent der lateinamerikanischen Musik Tribut zollt, die ihn seit Jahren inspiriert. Über acht Tracks hinweg bewegt er sich zwischen Cumbia, Reggaeton und elektronischen Einflüssen, mit einer Reihe von Gästen als Aushängeschild. Der Opener “Un Poco Perdido” mit Neton Vega setzt mit einem von Sehnsucht und Selbstreflexion erfüllten Geständnis den melancholischen Ton. “Te Olvido (La La)” zusammen mit seiner Frau Selena Gomez und Becky G kombiniert einen kräftigen Cumbia-Rhythmus mit Bläserarrangements und einem Refrain, der im Gedächtnis bleibt. In “Joven Y Salvaje” lässt Bb trickz eine überschwängliche, unbeschwerte Energie hören, während “Memoria De Paz” mit The Marías eine verträumte, zurückhaltende Atmosphäre zeichnet. “Ay Bendito”, gemeinsam mit Ovy On The Drums produziert und mit einem Beitrag von Mora, verströmt eine leichte sommerliche Stimmung. Blanco versteht es, jeder Zusammenarbeit eine eigene Farbe zu geben, wobei die Künstler stets den Raum erhalten, ihren eigenen Stil zum Ausdruck zu bringen, anstatt sich einem einzigen festen Konzept anzupassen. Das Ergebnis ist ein elegant ausgearbeitetes, kurzes, aber geschlossenes Album. (Alejandro Garcia López) (7/10) (Interscope Records)

Denzel Curry & Kenneth Blume – ii

“ii” ist eine Fortsetzung des 2020 veröffentlichten “UNLOCKED”, des früheren Projekts von Denzel Curry und Kenneth Blume, der damals noch unter dem Namen Kenny Beats bekannt war. Dieses erste Projekt war eine kurze Explosion aus schmutzigen, samuraiartigen Beats mit präzisen, geradlinigen Bars. Der Sound passte in den Kontext seiner Zeit, in der Hip-Hop und Gegenkultur mit Internetkultur und psychedelischen Cartoons verschmolzen waren, ein Phänomen, bei dem unter anderem Denzel Curry zu den Vorreitern gehörte. Obwohl Jahre dazwischen liegen, klingt “ii” wie eine direkte Fortsetzung von “UNLOCKED”, aber man hört deutlich die zusätzlichen sechs Jahre Erfahrung. Obwohl weiterhin ein Gefühl von Spontaneität und harten Bars auf wirkungsvollen Beats mit kurzen Zeilen vorherrscht, hört man auch mehr Swing und Kadenz, als würde es ihnen beim zweiten Mal leichter fallen. Sie behaupten sogar, dass sie dasselbe Setup wie beim ersten Mal verwendet haben. Die Vision scheint also dieselbe zu sein, aber die Beherrschung ist größer. Man bekommt buchstäblich das Paket ‘bigger and better’ als beim ersten Mal: straff zusammengefügt mit einem Gefühl von Leichtigkeit und Freude. Eine sichere Landung nach einem Flug, der vor Jahren gestartet ist. (Alessandro Di Perna) (8/10) (Loma Vista Recordings)

Change consent