Übersicht über die Albumrezensionen: Lizz Wright, Anthrax und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Slothrust – What They Grow In The Garden
Das amerikanische Alternative-Rock-Trio präsentiert eine vielseitige neue Sammlung von Songs, die zwischen eingängigen Popmelodien und rauen Gitarrenausbrüchen schwankt. Auf “What They Grow In The Garden” versucht die Band, ein breiteres Publikum anzusprechen, indem sie zugängliche Refrains mit ihren bekannten eigenwilligen Texten verbindet. Die energische Single “Dystopian Cemetery” verfügt über eine hervorragende Radio-Energie und setzt sich sofort im Kopf des Hörers fest. Dennoch fällt auf, wie wechselhaft das Niveau über die gesamte Länge der Platte ist. Tracks wie “Twisted Paradise” lehnen sich etwas zu sehr an vorhersehbare Popstrukturen an, was auf Kosten der künstlerischen Spannung geht. Besser gelungen ist das kantige “Burn The Deck”, in dem die Band es erneut wagt, dem Hörer ihre rauen Seiten zu zeigen. Es ist eine unterhaltsame und kommerziell attraktive Platte geworden, auch wenn man vergeblich nach wirklich innovativen musikalischen Ansätzen innerhalb des Gitarrengenres suchen wird. (William Brown) (7/10) (Equal Vision)
St. Paul & The Broken Bones – Proxy
Die bekannte Soulformation aus Alabama liefert eine kompakte, aber äußerst energiegeladene neue Sammlung von Songs ab. Auf “Proxy” kehrt die Band zu einem sehr direkten und unverfälschten Funky-Sound zurück, der ab der ersten Sekunde präzise aus den Lautsprechern knallt. Die mitreißende Single “Loving Wrong” bildet das dynamische Zentrum dieser Veröffentlichung und lässt die rauen Vocals hervorragend zur Geltung kommen. Die Bläsersektion auf dem straffen “Cold Trace” klingt außergewöhnlich kraftvoll und durchdringend, was den Songs eine enorme Bühnenkraft verleiht. Dennoch bleibt es schade, dass diese Veröffentlichung mit nur vier Tracks sehr schnell vorbei ist, wodurch sie eher wie ein Zwischenspiel wirkt. Der ruhigere Song “Gutter” bringt etwas mehr emotionales Gleichgewicht, kann den Überfluss an Macho-Rhetorik jedoch nicht vollständig ausgleichen. Die Band liefert damit eine sympathische und sehr kraftvolle Platte ab, die live zweifellos für eine enorme Explosion an Energie sorgen wird. (Daniel Harris) (7/10) (Thirty Tigers)
Kai Hansen – Born With A Hammer
“Born With A Hammer” ist das Soloalbum des deutschen Sängers/Gitarristen Kai Hansen, Mitbegründer von Helloween und Gründer von Gamma Ray. Aushängeschild des deutschen Power Metal. Das Album klingt sehr modern, ebenso wie die Musik auf “Born With A Hammer”. Verantwortlich dafür ist Eike Freese, der unter anderem auch mit Deep Purple und Simple Minds gearbeitet hat. “Born With A Hammer” ist sein erstes Soloprojekt seit “XXX-Three Decades In Metal”, das 2016 erschien. Die Musiker, die auf dem Album mitspielen, sind eine Mischung aus bekannten Namen und Familie. Neben Kai selbst hören wir seinen Sohn Tim an der Gitarre, und Eike Freese ist nicht nur für den Sound verantwortlich, sondern spielt auch ein wenig Gitarre auf “Born With A Hammer”. Die Rhythmussektion besteht aus Alexander Dietz von Heaven Shall Burn am Bass, während Dan Wilding von Carcass am Schlagzeug sitzt. Eine Warnung für Helloween- und Gamma-Ray-Fans: Die Musik auf “Born With A Hammer” unterscheidet sich ziemlich stark von diesen Bands. Natürlich hören wir auch diese beiden Bands in der Musik dieses Albums wieder, insbesondere auf den letzten Songs des Albums, aber stilistisch ist es dennoch etwas ganz anderes. Kein reiner Power Metal, sondern traditioneller Heavy Metal/Hardrock mit viel Raum für Kais Gesang und elektronischen Akzenten wie in “I.D.G.A.F.” Der beste Song ist der Titelsong, den ich ohne jeden Zweifel als die “Bohemian Rhapsody” des Metal bezeichnen kann. Was für ein großartiger Song! Hut ab vor Kai Hansen, der mit “Born With A Hammer” nicht auf Nummer sicher geht, sondern sich dafür entscheidet, außerhalb der Linien zu malen. (8/10) (earMUSIC)
Lizz Wright & Kenny Banks Sr. – Nearness
Lizz Wright ist eine vielseitige Sängerin, die seit ihrem Debüt “Salt” aus dem Jahr 2003 inzwischen sieben Alben vorzuweisen hat. Ihr neuestes Projekt, “Nearness”, veröffentlicht sie gemeinsam mit Kenny Banks Sr., einem geschätzten Jazzpianisten, mit dem sie bereits seit geraumer Zeit zusammenarbeitet. “Nearness” ist ein intimes, minimalistisches Album, getragen von Wrights warmem Gesang und der subtilen Klavierbegleitung von Banks Sr. Wright verfügt über eine wunderschöne Stimme. Ihr Vortrag und ihr Timing gehören zur Spitze ihrer Klasse. Der Opener “The Nearness of You” gibt mit einem passenden, zurückhaltenden Setting den Ton an. Genau darin liegen sowohl die Stärke als auch die Einschränkung des Albums. Der Raum, die Ruhe und die musikalische Raffinesse können angenehm sein, verlangen aber auch nach einem Hörer, der bereit ist, sich ihnen vollständig hinzugeben. Denn obwohl die kleine Besetzung die Qualitäten beider Interpreten schön offenlegt, fehlt der Musik bisweilen etwas Dynamik. Eine subtile orchestrale Färbung hätte vielleicht für mehr Abwechslung sorgen können. Nirgendwo wird es schlecht, aber wirklich mitgerissen zu werden, erweist sich als Herausforderung. Selbst Amazing Grace bleibt etwas lauwarm, obwohl gerade dort eine stärkere Intensität möglich scheint. Ein herrliches Album für einen ruhigen Sonntagmorgen. Für ein vollständiges Hörerlebnis fehlt jedoch manchmal der musikalische Reiz. (Bart van de Sande) (5/10) (Blues and Greens)
Anthrax – Cursum Perficio
Anthrax sind zurück, und nicht gerade sanft. Nach zehn Jahren Stille legen die Männer mit “Cursum Perficio” ein Album vor, das sowohl in die Vergangenheit winkt als auch nach vorne blickt. Der Titel ist Latein für ‘meine Reise ist vollendet’, und dieses Gefühl des Abschlusses schwebt über dem gesamten Album. Der Opener “Persistence of Memory” beginnt langsam mit einer orchestralen Note, bevor “The Long Goodbye” die Dinge auf Spannung bringt. Erst bei “It’s for the Kids” entfesselt die Band die echte Gewalt: schneidende Riffs, donnernde Drums und ein Refrain, der nach einem Moshpit verlangt. “The Edge of Perfection” ist ein auffallend experimenteller Song auf dem Album, fast sieben Minuten lang und mit einer eisigen Note, die man bei Anthrax nicht sofort erwarten würde. Weiter hinten sorgen “Infectious” und “Watch It Go” für den nötigen Lärm, während “My Victory” das Album beendet, wie es sich gehört: mit einem vollen Refrain und ohne überflüssiges Drumherum. Nicht alles ist gleich scharf, einige Songs bleiben in ordentlicher Mittelmäßigkeit stecken, aber wer rohen Thrash mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Kein glattpoliertes Abschiedsalbum, sondern ein ehrlicher, kräftiger Knall. (Anton Dupont) (7/10) (Nuclear Blast / Megaforce)






