Übersicht über die Albumrezensionen: Big Special, Ibrahim Maalouf und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Big Special – O’JOY!
Big Special besteht aus Joe Hicklin und Callum Moloney, einem Duo, das in kurzer Zeit große Fortschritte gemacht hat. Mit der EP “O’JOY!” bekommen die Hörer eine schmackhafte Zwischenveröffentlichung serviert. Ihre beiden vorherigen Veröffentlichungen wurden sowohl von Kritikern als auch vom Publikum positiv aufgenommen, wodurch die Erwartungen an zukünftige Arbeiten hoch sind. Die Musik von Big Special lässt sich nicht leicht auf ein Genre reduzieren. Ihre Kombination aus Post-Punk, Krautrock, Hip-Hop und anderen Einflüssen sorgt für einen eigenwilligen und wiedererkennbaren Sound. In Verbindung mit Hicklins Spoken-Word- und Rap-Stil, in dem er gesellschaftskritische und klar verständliche Beobachtungen überzeugend vorträgt, entsteht ein fesselndes Hörerlebnis. Das Duo überrascht regelmäßig mit unerwarteten Perspektiven und originellen Ideen. Durch ihren eklektischen Ansatz spricht Big Special zudem ein immer breiteres Publikum an. Fans der Atmosphäre und Energie der Arctic Monkeys werden wahrscheinlich den Vibe von “Only Free” schätzen, während das treibende Rhythmusgefühl von “Lazarus” auch Fans von Fontaines D.C. anspricht. Dennoch klingt Big Special vor allem nach sich selbst. Besonders Hicklins freie, reflektierende und deklamatorische Vortragsweise trägt dazu bei. Auf “The Wake” präsentiert er seine Beobachtungen mit der Schärfe und dem Detailreichtum eines echten Stadtdichters. O’JOY! indeed. (Bart van de Sande) (8/10) (SO Recordings)
Guilt Trip – Armour Of Angels
“Armour Of Angels” von Guilt Trip, veröffentlicht um den 5. Juni 2026, ist ein intensives Metalcore-Album, das sich vor allem auf Kraft, Rhythmus und direkte Energie konzentriert. Die Band setzt auf einen kompakten Ansatz, bei dem jeder Song aus engen Riffs, harten Breaks und einem konstanten Spannungsgefühl besteht. Tracks wie “Iron Benediction” und “Glass Halo” veranschaulichen diesen Ansatz gut, mit kurzen Aufbauten und explosiven Entladungen. Die Vocals wechseln zwischen Schreien und tieferen, bedrohlicheren Passagen, was innerhalb der aggressiven Grundstruktur für Abwechslung sorgt. Die Produktion ist trocken und auf die Rhythmussektion fokussiert, wodurch Schlagzeug und Bass eine zentrale Rolle in der Dynamik erhalten. Das verstärkt die physische Wirkung des Albums. Es gibt wenig Raum für atmosphärische Ausschweifungen oder Experimente, wodurch das Album geradlinig, aber effektiv wirkt. Im zeitgenössischen Metalcore setzt diese Platte eher auf Ausführung als auf Innovation. Das Ergebnis ist straff, aber bewusst begrenzt in seinem Umfang. (Anton Dupont) (7/10) (Rude Records)
Rainhard Fendrich – 45 Jahre Live
“45 Jahre Live” von Rainhard Fendrich, veröffentlicht um den 5. Juni 2026, ist eine Aufnahme, die eine lange Karriere in einer Reihe von Live-Performances zusammenfasst. Die Setlist enthält sowohl Klassiker als auch neuere Werke, gespielt mit einer Band, die akustische Instrumentierung und Publikumsinteraktion betont. Bekannte Songs wie “Macho Macho” und “Es lebe der Sport” erhalten neue Live-Arrangements, die dem Original treu bleiben, aber etwas Raum für Variation lassen. Das Publikum spielt eine deutliche Rolle in der Aufnahme, wodurch die Atmosphäre eher dokumentarisch als poliert wirkt. Die Produktion ist auf ein Gleichgewicht zwischen Saalsound und Klarheit ausgelegt, ohne die Energie der Live-Performance zu verlieren. Kurze Ansagen und Interaktionen geben Kontext, ohne den Fluss zu stören. Das Ergebnis ist ein Rückblickswerk, das vor allem als Überblick über eine lange Karriere dient. (Tobias Braun) (8/10) (Ariola)
Francis Of Delirium – Run, Run Pure Beauty
Jana Bahrich, wie die luxemburgische Künstlerin Francis Of Delirium eigentlich heißt, beeindruckte die Kritiker mit ihrem Debüt vor einigen Jahren. Sie lässt sich von Künstlern wie Pearl Jam und Sufjan Stevens inspirieren. Passend dazu eröffnet das Album mit Bläsern, einem Instrument, das sie in ihrer Jugend gelernt hat. Das Album ist eine schöne Mischung aus verträumtem und kräftigem Alternative Rock. Das geschieht nicht nur zwischen den Songs, sondern auch innerhalb der Songs selbst. Ein gutes Beispiel ist der Titeltrack. Je mehr die Intensität steigt, desto stärker wird das Bedürfnis zu rennen hör- und spürbar. Mit diesem Album setzt sie sich noch stärker in Szene. Kein Drang, davor wegzulaufen, im Gegenteil, man sollte sich hinsetzen und sich treiben lassen. (Rik Moors) (8/10) (Dalliance Recordings)
Ibrahim Maalouf – Trumpets of Michel-Ange Volume 2.
Ibrahim Maalouf, der 45-jährige französisch-libanesische Trompeter, Arrangeur und Komponist, präsentiert mit “Trumpets of Michel-Ange Vol. 2” sein vierzehntes Studioalbum. Das Album ist die Fortsetzung des erfolgreichen und hochgelobten ersten Teils aus dem Jahr 2024 und baut das damals eingeführte musikalische Konzept weiter aus. Der Titel verweist erneut auf seinen Vater, dessen besonderes Trompetendesign und musikalisches Erbe eine dauerhafte Inspirationsquelle für Maaloufs künstlerische Vision darstellen. Bereits mit den ersten Tönen fällt die energiegeladene und optimistische Atmosphäre auf. Die Musik strahlt Vitalität aus und lädt zur Bewegung ein, während die Kompositionen vor allem für die Bühne gedacht zu sein scheinen. Durch die Entscheidung, alles live aufzunehmen, wirkt das Album spontan, authentisch und lebendig. Auch wenn ein Vergleich mit dem ersten Teil unvermeidlich ist, zeigt sich schnell, dass es sich nicht um übrig gebliebenes Material handelt. Maalouf präsentiert neue Kompositionen, die die ursprüngliche Idee erweitern und bereichern. Wie schon beim Vorgänger wird er von verschiedenen Gastmusikern begleitet, was zusätzliche Farben und Vielfalt bringt. Musikalisch ist das Album möglicherweise etwas weniger geschlossen als der erste Teil, doch das schmälert die Qualität kaum. Wie das abstrakte Cover verbindet die Musik scheinbare Einfachheit mit einem durchdachten künstlerischen Ansatz, wodurch “Trumpets of Michel-Ange Vol. 2” überzeugend und inspirierend bleibt. (Bart van de Sande) (8/10) (Mister I.B.E.)






